| FRANKONIA LINZ | ||
|
Verbindungsgeschichte
VORWORT Obwohl Frankonia im Reaktivierungsjahr 1997 bereits 76 Lenze zählte, mußte das Chargenkabinett feststellen, daß es weder auf eine umfassende, niedergeschriebene Verbindungsgeschichte noch auf ein einigermaßen gesichertes Verbindungsarchiv zurückgreifen konnte. Der nationalsozialistische Mob, die Kriegswirren einerseits und die Jahre der Sistierung andererseits vernichteten den Großteil der Unterlagen beziehungsweise ließ sie in fremde Hände gelangen. Von Anfang an war es deshalb ein prioritäres Ziel, die nötigen Unterlagen aufzubringen, um diese Lücke möglichst rasch zu schließen. Nach nunmehr 2 Jahren liegt eine umfassende Darstellung der Geschichte Frankoniae vor, die auf dem Artikel in der Festschrift anläßlich des 63. Stiftungsfestes, auf weiteren zugänglichen Publikationen sowie auf mündlichen Mitteilungen von Bundesbrüdern basiert. Es wurde versucht alle relevanten historischen Gegebenheiten möglichst ausgewogen darzulegen. Sollte der eine oder andere Bundes- bzw. Kartellbruder weitere Informationen sei Eigen nennen, so wird er höflich gebeten, diese der Verbindung mitzuteilen. Diether Ziegerhofer v/o Tassilo, im Oktober 1999 KATHOLISCHE PENNALIEN IN LINZ BIS 1918Die Gründung der Urburschenschaft mit dem Wahlspruch ‚Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland’ am 12. Juni 1815 blieb auch den heimischen Schülern (Pennäler) nicht verborgen. Sie taten es den Studenten gleich und stifteten ebenfalls Verbindungen. Diese verschwanden jedoch durch die bald einsetzende Verfolgung seitens der Polizei und der Schulbehörde nach wenigen Jahren. Erst im Revolutionsjahr 1848 konnte der burschenschaftliche Gedanke an den heimischen Schulen wieder Fuß fassen. Doch der Erlaß des Unterrichtsministers von 1849 machte der Bewegung einen gewaltigen Strich durch die Rechnung, der Vereinigungen von Schülern für rechtswidrig erklärte, dennoch konnte sich in den nächsten Jahrzehnten ein buntes pennales Verbindungsleben im Untergrund entfalten. Der damalige Zeitgeist begünstigte vor allem die Gründungen von nationalen Verbindungen. Katholische Pennalien konnten sich erst zur Jahrhundertwende als ernstzunehmende Bewegungen etablieren. Dennoch gab es Lichtblicke. Neben Tirol entwickelte sich Linz als das Zentrum der katholischen, pennalen Zellen. Bereits 1859 entstand die erste katholische Schülervereinigung, die es nach 1848 in Österreich gab, nämlich der katholische Burschenverein zu Linz. Um der Verfolgung zu entgegen, nahm der Verein verschiedene Namen und Organisationsformen an. Als Fortsetzung des katholischen Burschenvereins, ist der Schülerverein Mnemosyne zu nennen, der im Jahr 1869 gegründet wurde. 1870 entstand aus ihm die katholische Studentengesellschaft Edelweiß. Wenn auch diese Vereinigungen in keiner Phase mit einer farbentragenden Verbindung zu vergleichen waren, konnten sich bei Edelweiß doch gewisse studentische Elemente herausbilden. Im Jahr 1875 kam es zu einem großen Aufflug aller Linzer Verbindungen, die auch die Edelweiß mit in den Abgrund riß und für Jahre dem Linzer Verbindungsleben ein Ende machte. Erst 1892 gelang es dem katholischen Lager mit tatkräftiger Hilfe des bereits existierenden Linzer CV-Zirkels eine Verbindungsgründung auf die Beine zu stellen. Die katholisch-patriotische Studentenverbindung Alemannia erblickte das Licht der Welt. Sie war am k. k. Staatsgymnasium (auf der Spittelwiese) ansässig und wählte die Farben rot-weiß-gold. Ein Jahr später entwickelte sich aus Alemannia eine katholisch-patriotische Studentenverbindung Norica zu Linz mit gleichem Keilboden. Norica war die aktivste Linzer Verbindung vor dem Ersten Weltkrieg und Mitbegründerin des Mittelschüler-Cartellverbandes (MCV) einer Vorgängerorganisation des MKV. Spannungen zwischen Alemannia und Norica führten zur Gründung der katholisch-österreichischen Studentenverbindung Nibelungia Linz im März 1901. Nibelungia war somit die dritte katholische Pennalie am k. k. Staatsgymnasium. Ebenfalls 1901 gelang es Norica eine Tochterverbindung an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt in der Honauerstraße namens Habsburg zu etablieren. Erstmals gelang es einen Keilboden außerhalb des k. k. Staatsgymnasiums zu besetzen, der bis dahin einzig und allein den nationalen Kräften vorbehalten war. Im Wintersemester 1906/07 wurde an der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt (Stifterschule) eine katholische Pennalie Ostmark gegründet. Bedauerlicherweise ist über diese Verbindung nur wenig bekannt. Im Jahre 1907 beschloß Nibelungia eine Tochterverbindung Amelungia mit den Farben schwarz-weiß-blau an der Realschule in der Fadinger Straße zu stiften. 1909 konnte eine weitere katholische Verbindung an der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt heimisch werden. Die ein Jahr zuvor in Kremsmünster gegründete Bajuvaria übersiedelte nach Linz. Bajuvaria trat als zweite und letzte Linzer Verbindung dem MCV bei. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren durch ständige Auseinandersetzungen mit den nationalen Verbindungen sowie durch die Gefahr der Entdeckung durch die Behörden gekennzeichnet, dennoch konnten sich die Linzer katholischen Pennalien gedeihlich entwickeln. Um so verwunderliche war es, daß nach dem Ersten Weltkrieg sich einzig und allein die Nibelungia mit der inkooperierten Amelungia reaktivieren konnte. DIE GRÜNDUNG In der ersten Republik erlangten auch endlich die Mittelschüler das Recht sich in Vereinen zusammenzuschließen. Nach dem Erlangen der Koalitionsfreiheit regte sich, wie an fast allen Mittelschulen Österreichs, auch an der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt in Linz neues, studentisches Leben. So entstand am 11. Juni 1921 als erste oberösterreichische Verbindungsgründung nach dem Kriegsende, die katholisch-deutsche Pädagogenverbindung Frankonia mit den Farben rot-weiß-gold, Fuxenfarben rot-weiß, jeweils mit grünem Vorstoß, hellgrünen Tuchmützen und dem Wahlspruch ‚Deutsch bis ins Mark’. Vor der eigentlichen Gründung legten die Führungschargen bei Nibelungia die Burschenprüfung ab. Zu den ersten Frankonen zählten Franz Handlechner v/o Laurin, N. Heine, Friedrich Kinzl v/o Kunibert, Hans Kolneder v/o Armin, Anton Lembacher v/o Hildebrand. Die Gründungsfüchse dürften Alois Antesberger v/o Giselher sowie Hans Schwabegger v/o Hagen gewesen sein. Franz Kinzl v/o Kunibald, der Bruder von Friedrich Kinzl, setzte die Texte für die Burschen- und die Fuxenstrophe auf und zeichnet sich auch für das Bundeslied verantwortlich. Er, der bereits als Lehrer berufstätig war, erhielt am Gründungskommers das Band Frankoniae und gilt damit als Gründungsphilister. Die Gründer waren sich in punkto der Ausrichtung der Verbindung uneins. Eine Gruppe angeführt von Heine und Kinzl hing vor allem der nationalen Idee an, währenddessen die Gruppe um Anton Lembacher v/o Hildebrand patriotisch eingestellt war. Dennoch waren Heine und Kinzl keine Deutschnationalen im klassischen Sinne, waren sie doch weltanschaulich katholisch eingestellt. Auch die Tatsache, daß in den zwanziger und dreißiger Jahren bei Frankonia gepaukt wurde, darf nicht als Indiz für eine schlagende, nationale Verbindung gewertet werden, war doch das Pauken (sportliches Fechten mit Schutzkleidung) bei vielen katholischen Pennalien verbreitet. Zum Gründungssenior wurde Friedrich Kinzl v/o Kunibert gewählt, unter seiner Führung gewann die junge Frankonia in Oberösterreich bei den anderen katholischen Verbindungen sehr rasch ein gutes Ansehen. So wurde streng darauf geachtet, daß der Comment sowie die Geschäftsordnung penibel eingehalten wurde und daraus resultierend ergaben sich strenge Brander- und Burschenprüfungen. Die junge Verbindung entwickelte sich rasch zu einer der größten oberösterreichischen Verbindungen. Daß die Zahl der ‚Stifterstraß'ler’ (bischöfliche Lehrerbildungsanstalt in der Stifterstraße) die der ‚Honauerstraß'ler’ (staatliche Lehrerbildungsanstalt in der Honauerstraße) überwog, fand seine natürliche Begründung darin, daß sämtliche Gründer Frankonia aus der Stifterstraße stammten und erst allmählich Frankonia an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt Fuß fassen konnte. Frankonia blieb bis 1938 praktisch eine Lehrerverbindung, die großteils an der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt keilte, da in späteren Jahren auch Danubia und Siegfriedia an der staatliche Lehrerbildungsanstalt aktiv waren. Die meisten Frankonen wohnten im Salesianum am Freinberg, dem Schülerheim der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt. Dort war jede abendliche Veranstaltung außerhalb der Schule verboten. Aber den Salesianer-Frankonen gelang es immer wieder Mittel und Schleichweg zu finden, dennoch an den Verbindungsveranstaltungen teilzunehmen. DIE ERSTEN JAHRE Im Sommersemester 1923 entschloß sich Frankonia im Unterschied zu Nibelungia um Aufnahme in den Verband-Pennaler-Verbindugen (VPV) anzusuchen. Sie wurde sofort aufgenommen und war damit nach Gamundia Gmunden die zweite oberösterreichische Verbindung in dieser Vorläuferorganisation des MKV. An 28. März 1923 wurde durch Bbr. Anton Gurtner v/o Ingo die Ferialis Batavia Reichersberg im Innviertel gegründet. Sie sollte all jenen Salesianern aus dem Innviertel eine couleurstudentische Heimat geben, denen es während der Schulzeit nicht möglich war beziehungsweise die es nicht wagten der Frankonia beizutreten. So konnten sie wenigstens in den Ferien Studentenluft schnuppern. Frankonia blühte und gedeihte. Im Wintersemester 1923/24 hatte Frankonia bereits 27 Aktive und erwog von sich aus die Gründung einer Tochterverbindung an der Handelsakademie und der Staatsgewerbeschule (HTL Goethestraße). Die Gründung dieser Verbindung namens katholisch-deutsche Studentenverbindung Falkenstein erfolgte am 28. Oktober 1923 mit den Farben schwarz-weiß-gold mit perlgrauen Samtdeckeln und dem Wahlspruch ‚Für Glaube und Heimat’. Die Bundesbrüder Franz Engelbrechtslehner v/o Faßt, Karl Lehner v/o Mephisto, Josef Schwabegger v/o Hagen sowie Sepp Wintersberger v/o Gunther wurden mit dem Aufbau der Verbindung beauftragt. Nibelungia dürfte sich Anfang 1924 entschlossen haben sich am Aufbau der Falkenstein zu beteiligen und stellte zwei Burschen ab, doch dies führte indirekt zum Untergang der Falkenstein. Es muß zu unüberwindbaren Differenzen gekommen sein, die schließlich im Wintersemester 1924/25 zur Auflösung der Falkenstein führten. Dennoch war das Kapitel nicht gänzlich zu Ende. Am 18. Oktober 1924 konstituierte sich aus Teilen der Falkenstein die katholisch-deutsche Studentenverbindung Siegfriedia mit den Farben schwarz-weiß-grün mit weißer Tuchmütze. Bbr. Hans Bausenwein v/o Hadubrand sowie Bbr. Ferdinand Lipa v/o Tell waren an der Gründung beteiligt. Daß Frankonia zwei Jahre nach ihrer Gründung Nibelungia mindestens ebenbürtig war, beweist auch die Tatsache, daß die Gründungsburschen der Norica Wilhering, der späteren Hilaria, am 12. Dezember 1923 ihre Burschenprüfung bei Frankonia in Linz ablegten. Wenngleich Frankonia eine sehr erfreuliche Entwicklung nahm, kam es zu negativen Strömungen innerhalb der Verbindung. Die Bundesbrüder, welche die staatliche Lehrerbildungsanstalt besuchten befanden sich traditionell in der Minderheit zu jenen der bischöflichen Lehrerbildungsanstalt. Daraus entwickelten sich so tiefgreifende Eifersüchteleien, daß es schließlich zur Abspaltung einiger Honauerstraß'ler kam, um eine eigene Kooperation in der Honauerstraße zu gründen. So kam es am 1. Juli 1924 zur Gründung der katholisch-deutschen Studentenverbindung Danubia mit den Farben weiß-rot-gold und schwarzen Samtmützen. Mit den studentischen Verbindungsbräuchen ihrer Gründer zu wenig vertraut, fand sie schon nach kurzem Bestand ihr Ende. Schließlich fanden einige Danuben den Weg zurück zur Frankonia. Anläßlich der Einweihung des neuen Linzer Doms veranstaltete Frankonia am 30. April 1924 eine Festkneipe, zu der auch die Spitzen des VPV und der übrigen Verbindungen kamen. Es kann auch als Beweis für das gute Ansehen Frankoniae gewertet werden, daß die Verbindung Oberösterreich bei der Bundesländerkonferenz in Wien vertrat. Frankonia hielt mit allen oberösterreichischen Verbindungen, egal ob dem VPV angehörend oder nicht, einen guten Kontakt. So war Frankonia beim 1. Stiftungsfest der Nibelungia Freistadt zu Pfingsten 1925 vertreten. Im Sommersemester 1925 wurde ein eigener Altherrnbund gegründet. Erster Philistersenior Frankoniae war Bbr. Karl Angerer v/o Siegfried, der bis 1938 diese Charge inne hatte. Im selben Semester war Frankonia führend an der Organisation des 7. Verbandsconventes des VPV in Linz (vergleichbar mit einem Pennälertag) beteiligt. Im Jänner 1926 wurden die Statuten geändert und zwar wurde ‚Pädagogenverbindung’ durch ‚Studentenverbindung’ ersetzt, dies deutet auf eine gewisse Erweiterung des Keilgebietes hin. Im Sommersemester 1926 eskalierte die Krise im VPV, die durch persönliche Rivalität in den Führungsgremien hervorgerufen wurde. Frankonia ist, wie viele andere Verbindungen, aufgrund dieser Vorgänge aus dem VPV ausgetreten. Dennoch ging Frankonia die nächsten Jahre nicht alleine ihren Weg. Sie war Initiator des Alpenländischen Cartellverbandes (ACV), einer lokalen Nachfolgeorganisation des VPV. Außerdem war sie 1927 Mitbegründerin des Linzer Stadtverbandes, den Bbr. Johann Marckhgott v/o Rodenstein in den Jahren 1928/29 als Vorsitzender führte. FRANKONIA IN DEN 30ER JAHREN Die Zahl der Funktionäre neben dem eigentlichen Chargenkabinett gewährt einen Einblick über die wahrlich stattliche Aktivitas in dieser Zeit, so gab es beispielsweise im Wintersemester 1929/30 einen Archivar, einen Kneipwart, einen Sangeswart, einen Paukwart, einen Budenwart sowie mehrere Bierzeitungsredakteure. Dennoch hatte Frankonia bis 1938 keine eigene Bude, sondern war meistens in Hinterzimmern von Gasthäusern in Miete. Am 11. Mai 1930 gründete Frankonia eine weitere Ferialverbindung. Es wurde die katholisch-deutsche Ferialverbindung Mühlgau zu Rohrbach aus der Taufe gehoben. Als Farben wurde rot-weiß-blau mit kornblumenblauen Samtmützen gewählt. Die Farben wurden jedoch zwei Monate später auf die noch heute gültigen (rot-weiß-grün) geändert. Der Wahlspruch lautet: ‚Mit Gott für Volk und Vaterland’. Als Gründungssenior wurde Johann Marckhgott v/o Rodenstein gewählt, die weiteren Gründer waren Franz Hofer v/o Artus, Oswald Hofer v/o Hadubrand, Richard Jetschko v/o Wotan, Othmar Lanzersdorfer v/o Harald, Bruno Lohinger v/o Schwips, Alois Pröll v/o Tschick. Mühlgau konnte sich unter der fachkundigen Führung der Gründer gut entwickeln und hatte bis zum Schicksalsjahr 1938 einen durchgehenden, aktiven Betrieb. Im Juni 1930 beging Frankonia das 10. Stiftungsfest unter dem Jubelsenior Karl Moser v/o Stift. Zur damaligen Zeit wurde noch der Gründungstag als erstes Stiftungsfest gezählt. Der Kommers im vollbesetzten Redoutensaal des Theatercasinos spiegelte die Erfolgsgeschichte Frankoniae wieder. Frankonia durfte über 20 Gastchargierte aus Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark begrüßen. Einer der vielen Glanzpunkte war sicherlich die Promotion vom verdienstvollen Senior der letzten beiden Semester Johann Marckhgott v/o Rodenstein zum ersten Doctor cerevisiae der Verbindung, eine damals im Linzer katholischen Verbindungswesen ganz ungewöhnliche Auszeichnung. 1935 trat Frankonia wie auch die anderen Linzer Verbindungen dem MKV (Mittelschüler-Kartellverband) bei. Ein Jahr darauf war die Verbindung bei der Gründung des Landesverbandes führend tätig und stellte mit Bbr. Othmar Nemelka v/o Wittichis den Landeskassier. Obwohl Frankonia auch ab 1933 mit der immer mehr um sich greifenden nationalsozialistischen Propaganda zu kämpfen hatte, blieb sie bis 1938, die an Mitglieder stärkste und bedeutendste Linzer Verbindung. Aktive und Alte Herren haben bei den vaterländischen Wehrverbänden (Heimatschutz und Ostmärkische Sturmscharen) und ab 1936 beim Österreichischen Jungvolk (Jugendorganisation der Vaterländischen Front) aktiv mitgearbeitet. Zur Zeit des Juliputsches 1934 war beispielsweise Bbr. Karl Gansinger v/o Roland Landesjugendführer der Vaterländischen Front. In den Schicksalstagen des März 1938 wurde noch ein letzter Convent einberufen, bei dem das gesamte Verbindungsinventar und alle Aufzeichnungen unter allen Bundesbrüdern verteilt worden sind. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß es auch einige wenige sogenannte Märzveilchen (illegale Nationalsozialisten) in den Reihen der Frankonia gab. Diese Umfaller vernaderten dann die Bundesbrüder bei der Polizei und SA (Schutzabteilung, nationalsozialistische Miliz), welche dann Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen bei den meisten Bundesbrüdern durchführten. Dadurch ging sämtliches Verbindungsgut für immer verloren. Nur wenige persönliche Couleurartikel und Fotos sowie zwei Stierköpfe (Fechtmasken) konnten in die Zweite Republik hinübergerettet werden. Dieser Umstand erleichterte die Reaktivierung nach 1945 nicht gerade. Es muß jedoch ausdrücklich festgehalten werden, daß der überwiegende Teil der Bundesbrüder dem nationalsozialistischen Regime negativ gegenüberstand. Als Beispiel für das Handeln von viele Bundesbrüder in diesen Jahren sei Bbr. Dr. Wilhelm Hüttl v/o Ali angeführt. Bbr. Ali war Mitglied der Ostmärkischen Sturmscharen und bei den Abwehrkämpfen im Februar und Juli 1934 beteiligt. Nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin in Graz 1939, wurde ihm als MKVer und CVer ein Ausbildungsplatz verweigert. 1942/43 gelang es ihm, als Musterungsarzt, in Graz durch entsprechende Atteste die Einberufung von Kartellbrüdern und anderen Katholiken zu verhindern. Er wurde daraufhin an die Ostfront versetzt. 1944 wurde er an das Welser Lazarett versetzt, wo er sich mit Hilfe eines CV-Bundesbruders einer fingierten Operation unterzogen und aus dem Heer entlassen wurde. Er starb 1949 als Arzt in Hartkirchen. Im Zweiten Weltkrieg verlor Frankonia 16 Bundesbrüder. FRANKONIA NACH 1945 Im Jahr 1947 sammelten sich die versprengten Alten Herren von Frankonia und Siegfriedia, um den Versuch zu wagen, wenigstens eine aktive katholische Pennalie in Linz zu reaktivieren. Die Altherrnschaft Nibelungiae hielt eine Reaktivierung für verfrüht. Im März 1948 wurde nun mit gemeinsamen Kräften die Siegfriedia reaktiviert, der es gelungen war Wichsen und Schläger während der NS-Zeit zu verstecken. Das Aktivenchargenkabinett bestand als lauter reaktivierten Alten Herren. Das neugeschaffene CV-Heim diente als Bude und Bbr. Karl Haydtner v/o Beowulf der Lehrer an der staatlichen Lehrerbildungsanstalt tätig war, führte Siegfriedia, eine große Zahl von Fuxen zu, die den Erfolg der Reaktivierung sicherstellten. Im Wintersemester 1949 drängten die Urfrankonen bei Siegfriedia auf Grund der stattlichen Aktivenzahl darauf, Frankonia als Verbindung zum Leben zu erwecken. Es wurden dafür sechs Burschen zur Reaktivierung abgestellt. Auf Grund des geänderten Umfeldes beschloß Frankonia sich in Zukunft ‚Katholische Österreichische Studentenverbindung’ zu nennen sowie den Wahlspruch auf "Glaube, Freundschaft, Vaterland’ zu ändern. Der Betrieb wurde aber weiterhin zusammen mit Siegfriedia im CV-Heim abgehalten, wobei es den Fuxen freistand bis zur Branderung die Verbindung nach eigenen Dünken zu wechseln. Die Reaktivierung schien einen glücklichen Verlauf zu nehmen, bis 1951 ein Großteil der Burschen maturierte und in das Berufsleben eintrat. Zurück blieb eine nicht ganz lebensfähige Aktivitas. Es gelang zwar noch 3 Fuxen zu receptieren, jedoch den Seniores der beiden Verbindungen gelang es nicht einen richtigen Betrieb aufrecht zu halten. 1950 wurde Frankonia wieder in den reaktivierten MKV aufgenommen. Im März 1952 begann auch Nibelungia wieder zum Leben zu erwachen. Da sich dies auch nicht einfacher gestaltete als bei Frankonia und Siegfriedia, beschlossen die drei Verbindungen, die drei Aktivenschaften zu einer zusammenzufassen. In dieser Zeit trugen alle Aktiven das Couleur der Nibelungia. Im Wintersemester 1952/53 beschlossen jedoch Frankonen und Siegfrieden wieder eine eigenständige Verbindung auf die Beine zu stellen, die den Namen Siegfriedia trug. Im Mai 1953 beschlossen Frankonia und Welfia, der eine Reaktivierung zur damaligen Zeit nicht gelungen war, offiziell den kooperativen Eintritt ihrer Altherrnschaften in die Siegfriedia. Der Schlußkommers des Sommersemesters 1953 bekräftigte diese Fusion in eindrucksvoller Weise. Das große Unglück, das ein Auferstehen Frankoniae in den ersten Nachkriegsjahren verhinderte, ist vor allem auf das fehlende Verbindungsinventar, im speziellen auf Wichsen, zurückzuführen. Hätte man auf diese zurückgreifen können, wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn die mit gemeinsamen Anstrengungen reaktivierte Verbindung den Namen Frankonia getragen hätte. So kam Siegfriedia zum Zug, die in diesen Jahren eindeutig die glücklichere war. Diese Tatsache darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß viele Frankonen unter anderem Namen einen großen Beitrag zur Auferstehung des katholischen Couleurstudententums in Linz leisteten. FRANKONIA ALS HEIMVERBINDUNG 1962 ergab sich eine Chance für eine Verbindungsreaktivierung, die die Urfrankonen bei Siegfriedia sofort zu nutzen wußten. Etliche Aktive Siegfriediae wohnten damals im katholischen Schülerheim ‚Guter Hirte’ in der Baumbachstraße 28. Der Leiter des Heimes und spätere Bundesbruder Johann Hopfgartner v/o Ekkehardt äußerste sich des öfteren, daß es ihm recht wäre, wenn die Schüler auch außerhalb der Schule und Heim eine feste weltanschauliche und gesellschaftliche Bindung hätten. Dies griff der Aktive Siegfriediae Reinhold Hofstätter v/o Laurin, dessen Vater Urfrankone war, auf und leitete diese Anregung an Bbr. Karl Haydtner v/o Beowulf, Bbr. Dr. Eberhard Marckhgott v/o Pilgrim sowie Bbr. Johann Marckhgott v/o Dr. cer. Rodenstein weiter. In langwierigen Verhandlungen gelang es diesen drei Bundesbrüdern, die Heimleitung für eine Reaktivierung der Frankonia als Heimverbindung zu gewinnen. In Folge dessen wurde Frankonia am 9. Jänner 1962 im Schülerheim ‚Guter Hirten’ wiederbelebt. Im Keller wurden Räumlichkeiten für eine Bude bereitgestellt, die dann die Aktiven selbst einrichteten. Siegfriedia stellte hierfür 6 Burschen sowie 4 Fuxe ab, die im Heim wohnten. Das Reaktivierungschargenkabinett lautete wie folgt: Senior: Reinhold Hofstätter v/o Laurin, Consenior: Jürgen Novy v/o Theoderich, Fuxmajor: Kurt Schmidt v/o Etzl, Schriftführer 1: Manfred Widegger v/o Roland, Schriftführer 2: Siegfried Engst v/o Tristan, Kassier: Günther Schauer v/o Widukind. Die Reaktivierung führte zu einer neuerlichen Änderung des Wahlspruches, der seither ‚Treu dem Glauben, treu dem Freunde’ lautet. Frankoma erlebte in den folgenden Jahren einen großen Aufschwung, der Frankonia wieder zu einer der bedeutensten und mitgliedsstärksten Verbindungen Oberösterreichs machte. Es entwickelte sich jedoch eine Rivalität mit der ebenfalls im Schülerheim agierenden Katholischen Jugend, die ihrerseits versuchte möglichst viele Schüler und damit Einfluß im Heim zu gewinnen. Nichtsdestotrotz gelang es den aktiven Frankonen alle für Schüler relevanten Funktionen zu besetzen. So zeichneten sich Frankonen beispielsweise für die Meßgestaltung wie auch für die Theatergruppe verantwortlich. 1966 wurde die Mühlgau zu Rohrbach wieder Leben eingehaucht. Sie wurde an dem damals gegründeten Gymnasium in Rohrbach als Semestralverbindung im Sinne der Mühlgau anno 1930 wiedergegründet. Maßgeblichen Anteil an der Reaktivierung hatte Bbr. Johann Eberhard Marckhgott v/o Herwig, der Sohn von Bbr. Johann Marckhgott v/o Dr. cer. Rodenstein. Anläßlich des Wiederauferstehens der Tochterverbindung schlug Frankonia ihr 47. Stiftungsfest am 14. Mai 1968 in Rohrbach. Am 16. Februar 1972 konnte Frankonia ihre vorerst letzte Tochterverbindung aus der Taufe heben. Die Katholische Österreichische Studentenverbindung Tillysburg zu St. Florian wurde mit den Farben grün-weiß-rot, weißer Tuchmütze und dem Wahlspruch ‚Mit Gott für Ehre, Treue, Vaterland’ gegründet und keilt ihre Aktiven fast ausschließlich im Internat der HTBLA St. Florian. Die Bundesbrüder Helmut Atteneder v/o Cicero, Karl Haydtner v/o Beowulf, Johann Hinterecker v/o Seni, Erich Hinterecker v/o Ikarus, Ing. Rudolf Huber v/o Illo, Gerhard Opitz v/o Aesculap sowie Oskar Reiter v/o Styx waren an der Gründung maßgeblich beteiligt. Die Promulgation Tillysburg fand am 18. November 1972 statt, bei der Mutter- und Tochterverbindung die Bänder tauschten. Frankonen waren auch in weitere Gründungen und Reaktivierungen von MKV-Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg involviert. Ein optisches Zeugnis davon geben die Farben der Katholischen Österreichischen Studentenverbindung Sternstein zu Bad Leonfelden, die sich aus den Farben der Frankonia wie der Mühlgau zusammensetzen. Weiters stellten sich Bundesbrüder wiederholt für Funktionen im oberösterreichischen Landesverband zur Verfügung. Im Rahmen des 54. Stiftungsfestes im Mai 1975 wurde dem damaligen Philistersenior Bbr. Oskar Reiter v/o Styx als zweitem Frankonen der Titel eines Doctor cerevisiae verliehen. Im darauffolgenden Semester konnte Frankonia den Tausch der Freundschaftbänder mit der Hilaria Wilhering vollziehen. Das Verbindungsleben im ‚Guten Hirten’, das nicht nur eine gewisse Abwechslung vom grauen Schul- und Heimalltag versprach, sondern auch gewisse Freiheiten mit sich brachte, barg immer einigen Konfliktstoff mit der Heimleitung. Solch ein Konflikt führte im Wintersemester 1975/76 dazu, daß Frankonia ihren Status als Heimverbindung aufgab und in der Ludlgasse 16 eine neue Bude bezog. SCHWIERIGE JAHRE Mit dem Umzug in die Ludlgasse handelte sich Frankonia einige Probleme ein. Es gestaltete sich um einiges schwieriger im direkten Wettbewerb mit den anderen Verbindungen für die nötigen Receptionen zu sorgen, noch dazu gelang es Frankonia nie, in der einzigen nahe gelegenen höheren Schule, dem BORG Honauerstraße Fuß zu fassen. Als hätte Frankonia nicht bereits genug Probleme zu bewältigen gehabt, gesellte sich noch ein weiteres schwerwiegendes dazu. Die Verbindung war mit einer Welle von Austritten beziehungsweise Ausschlüssen wegen Interesselosigkeit konfrontiert. So mancher Bundesbruder war wohl am heiteren Budenleben als Aktiver im ‚Guten Hirten’ interessiert, hatte aber wenig für das gesetztere Daseins eines Alten Herrn übrig. Diese Umstände nahmen Frankonia ihre Substanz, die schlußendlich im Sommersemester 1992 zur Sistierung der Verbindung führten. Diese Tatsache sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in den Jahren vorher auch große Höhepunkte und glanzvolle Veranstaltungen gab. Eine solche war sicherlich die Fahnenweihe am 24. Juli 1984. Die Gattin von Landeshauptmannstellvertreter Bbr. Gerhard Possart, Ingeborg Possart fungierte als Fahnenmutter. Der Bändertausch mit Welfia Linz im Wintersemester 1981/82 sollte an dieser Stelle ebenfalls festgehalten werden. MUTIG IN DIE NEUEN ZEITEN Im Wintersemester 1996/97 wurde von einigen Aktiven Siegfriediae die Idee geboren, Frankonia zu reaktivieren. Dieses Vorhaben löste seitens der Altherrnschaft Siegfriediae nur Kopfschütteln aus, galt doch Frankonia als hoffnungsloser Fall. Die Aktiven ließen sich jedoch nicht beirren und nahmen mit der Altherrnschaft Frankoniae Kontakt auf. Der damalige Philistersenior Markus Winkler v/o Aramis konnte schließlich die Altherrnschaft Siegfriediae für die Abstellung zweier Burschen gewinnen. Inzwischen waren bereits die anderen drei Linzer MKV-Verbindungen von den Reaktivierungsbemühungen in Kenntnis gesetzt und nach nicht geringeren Kraftanstrengungen als bei Siegfriedia genehmigte Amelungia die Teilnahme dreier Burschen an der Reaktivierung. Am 6. März 1997 konnte das Reaktiverungschargenkabinett gewählt werden, das sich aus folgenden Personen konstituierte: Senior: Gerald Klamuth v/o Perseus (Siegfriedia), Consenior: Christoph Emsenhuber v/o Archimedes (Amelungia), Fuxmajor: Diether Ziegerhofer v/o Tassilo (Siegfriedia), Schriftführer: Simon Weikinger v/o Hipparchus (Reaktivierungsfux), Kassier: Florian Gumpinger v/o Gump (Amelungia), Zwei Tage später wurde der Reaktivierungskommers am Pöstlingberg geschlagen, anläßlich dessen die beiden Reaktivierungsfuxen (Jürgen Meixner v/o Babarossa sowie Simon Weikinger v/o Hipparchus) in die Verbindung aufgenommen wurden. Die Reaktivierung, an dessen Gelingen die anderen Verbindungen nicht glauben wollten, wurde trotz kurzweiliger Krisen ein durchschlagender Erfolg. Die Organisation einer Schülerfahrt zur Militärakademie nach Wr. Neustadt 1997 sowie die Landesvaterkneipe mit Festredner Bbr. Dr. Erwin Wenzl v/o Attila anläßlich der 60-jährigen Wiederkehr der Okkupation Österreichs durch Deutschland am 14. März 1998 sind nur zwei Beispiele dieser Erfolgsgeschichte. 1998 wurde Wesentliches für einen langfristigen Bestand der Verbindung erreicht. In Verhandlungen mit dem Altherrnlandesbund des oö. CVs konnte Frankonia das CV-Heim am Hauptplatz 6 als neue Bude gewinnen. Weiters wurde eine Zusammenarbeit in punkto Veranstaltungen vereinbart, die in ‚ wissenschaftlichen Abenden’ mündete. Anläßlich des 77. Stiftungsfestes 1998 erhielt Philistersenior Bbr. Ing. Friedrich Königstorfer v/o Sokrates als erster Frankone das ‚pro-meritis-Band’ als Anerkennung seiner Verdienste um die Reaktivierung. Im Wintersemester 1998/99 wurde Bbr. Mag. Fritz Sonntagbauer v/o Constantin die höchste Ehrung der Verbindung zuteil. Er promovierte als dritter Frankone zum Doctor cerevisiae. Nun im 3. Jahrtausend angekommen, konnten wir unser 80. Stiftungsfest vom 8. bis 16. September 2001 feiern - ein couleurstudentisches Großereigniss, bei dem nicht nur auf die ruhmreichen vergangenen 80 Jahre zurückgesehen wurde, sondern auch in eine glückliche und vor allem aktive Zukunft geblickt werden durfte. |
TERMINAVISO
|
|